Wellness ist keine Frage des Alters

Von Reinhold van Weegen

Sich wohlzufühlen, sich zu entspannen, sich Gutes zu tun – das ist in jedem Alter angebracht. Reinhold van Weegen zeigt, wie die Klänge der Klangschalen und die Klangmassage als bereicherndes Wellness-Angebot auch in der Arbeit mit Senioren, hier in einem Altenwohnheim, ihren Platz finden können.

Sie sitzen, wie oft, vormittags und nachmittags gemeinsam um den Tisch in der Wohnküche des Altenwohnheims St. Lamberti in Münster, im Wohnbereich Birkenhain: sieben Damen im Alter von 81 bis 98 Jahren. Sie sind es gewohnt, dass immer wieder etwas los ist in der Einrichtung, dass ihnen Angebote zu den verschiedensten Themen gemacht werden, sowohl kognitives als auch mentales Training, Literarisches wie Musikalisches.

Heute habe ich mir als Pflegedienstleiter im Altenwohnheim St. Lamberti für die Damen überlegt, ihnen die sanfte Entspannungsmethode der Klangmassage in abgewandelter Form als Gruppenerlebnis vorzustellen und erfahren zu lassen.

Einige der Damen sind geistig desorientiert, andere wieder geistig fit. Als integrative Gruppe erleben sie, was ihnen angeboten wird. Als die erste Klangschale auf den Tisch gestellt wird, kommen gleich verschiedene Aussprüche: „Haben Sie uns einen Kochtopf mitgebracht?“, „Was wollen Sie denn mit der Blechschüssel?“, „Oh, die ist bestimmt kostbar, schau mal, wie die glänzt“.
Ich fülle die große Beckenschale zu 2/3 mit Wasser und stelle sie auf den Tisch. Alle Damen lasse ich auf die Wasseroberfläche schauen, schlage die Beckenschale einmal an und wiederhole dieses Procedere. Äußerungen wie „Ach schau mal, das spritzt ja!“ oder „Das ist ja ein richtiges Muster, wie ein Strickmuster, was da entsteht.“ oder „Schau mal, ein richtiger Springbrunnen!“

Solche Äußerungen locken die anderen Damen näher, um auch besser daran teilhaben zu können. Lustige Sprüche also bis zu korrigierendem Eingreifen im Sinne von, „Sie machen uns ja den ganzen Tisch nass“, bestimmen die Atmosphäre und leiten das Geschehen ein. Nun setze ich jeder Teilnehmerin eine der Gelenkschalen auf die flache Hand und unterstütze das Gewicht, indem ich meine Hand unter die Hand der betreffenden Dame lege und schlage die Schale an. Vibrierende, sanfte Schwingungen übertragen sich auf die Hände der Teilnehmerin. Im zweiten Schritt bitte ich die Nachbarin,  ihre Hand ebenfalls unter die Hand der Dame zu legen. Meine Hand liegt darunter und gibt Halt während ich die Klangschale zum Schwingen bringe.
Auf diese Weise sind nicht nur die beiden Nachbarinnen durch die Schwingung miteinander verbunden, sondern auch ich als Pflegedienstleiter, denn wir drei können jeder die Schwingungen der Schale wahrnehmen.

Es herrscht eine andächtige Stille und ein Staunen geht durch die Runde, das sich von Einer zur Andren überträgt. So wird die Schale von einer Person zur nächsten weitergereicht, jeweils mit Unterstützung der Nachbarin, und alle scheinen miteinander unsichtbar verbunden durch den Klang und die Begegnung, die sie nonverbal miteinander haben.

Nun werden die Schalen auf dem Tisch verteilt und die Damen werden gebeten, ihre Handflächen vor sich auf den Tisch zu legen. Die einzelnen Schalen werden angeschlagen und es ertönt ein melodisches Klingen, ähnlich einem Glockenläuten, an das sich einige der Teilnehmerinnen erinnert fühlen. Es wird ruhiger, die Hände nehmen die Vibration auf und der anfänglichen Skepsis folgen Neugierde und ein entspanntes Lächeln. Dies geschieht nun einige Minuten lang, nachdem sich die Damen auch über ihre unterschiedlichen Vorlieben für Klangtiefe bzw. Klanghöhe ausgetauscht haben. Danach gibt es eine kleine Pause, und die Vorbereitungen für den nächsten Schritt werden erläutert.

Die Beckenschale wird auf mehrere Hände, die offen über einander liegen, gestellt und angeschlagen. Dieses verbindende Element tut den Damen sichtlich gut und sie drücken dies aus durch Formulierungen wie: „großartig, beruhigend, wohltuend“ und ähnlichen Äußerungen.  Die Hände ruhen nun wieder auf der Tischplatte und ein ruhiges Klangschalenkonzert schließt sich an, ähnlich einer Meditation ohne Worte, das die Damen, zum Teil mit geschlossenen Augen genießen.

Zum Schluss soll der mitgebrachte Gong, der noch im Hintergrund steht, zum Einsatz kommen.
Die meisten Frauen waren neugierig darauf den Gong zu hören. Nur eine Dame fasste sich sofort an den Kopf und sagte: „Das ist ja nicht zu ertragen. Den Ton kann ich nicht haben.“
So blieb es bei dem Klangerleben durch die Klangschalen.

Während ich in die Runde blicke, bemerke ich, dass sich eine Dame soweit ent-
spannt hat, dass sie eingeschlafen ist. Auch andere Teilnehmerinnen bestätigten, ebenfalls eine leichte Müdigkeit bzw. Entspannung zu verspüren. „So können Sie jede Woche wiederkommen, das hat uns gefallen“, rufen die Damen nacheinander und bedanken sich sehr für die Vorstellung und diese neue Erfahrung.

Im Altenwohnheim St. Lamberti in Münster zählt die Klangmassage zu einem gern genutzten Wellness-Angebot.